Was wenn der Wind nicht weht und die Sonne nicht scheint? Müssen Windkraft und Solarstrom kontinuierlich verfügbar sein?

Christian Höhle
11.11.2018 10:02

Mythos

Erneuerbare Energien sind nicht ständig verfügbar. Insbesondere die  "grundlastfähig" und die "gesicherte Leistung" von Windkraft und Solarstrom ist nahe 0. Deshalb können sie konventionelle Kraftwerke nicht ersetzen.

Tatsache

Erneuerbare Energien bestehen nicht nur aus Windkraft und Solarstrom. Sowohl Wasserkraft als auch Biomasse sind "grundlastfähig", können also immer und rund um die Uhr Strom liefern. Die "gesicherte Leistung", also die Leistung die mindestens jederzeit abrufbar ist, liegt nahe an der Nennleistung solcher Anlagen. Sie ersetzen also ganz eindeutig konventionelle Kraftwerke. Dabei handelt es sich heute bereits um ca. 10 Gigawatt (die grünen und blauen Flächen unten, die mit der grünen Klammer markiert sind).

Tatsächlich sind Windkraft und Solarstrom als tragende Säulen der Energiewende aber abhängig von der Verfügbarkeit der Rohstoffe Wind und Sonne und somit nicht "grundlastfähig", denn bei Flaute im Dunkeln produzieren weder Solarstrom noch Windkraft nennenswert Strom.

Sind aber Wind oder Sonne verfügbar, produzieren sie einen großen Teil des benötigten Stromes. Während Windkraft in mehrtägigen Phasen mal mehr, mal weniger Strom erzeugt und so große Teile des Bedarfs deckt, kommt Solarstrom nahezu jeden Tag zum Einsatz. Dabei ergänzen sich Wind und Sonne jahreszeitlich hervorragend: Im Winter gibt es viel Wind, im Sommer viel Sonne. Besonders der Solarstrom produziert besonders bedarfsgerecht, denn schon jetzt wird zuverlässig an fast jedem Tag der Spitzenbedarf durch Solarstrom gedeckt.

Aber ist es ein Problem dass ein großer Teil der erneuerbaren Energien nicht "grundlastfähig" ist? Nein, natürlich nicht!  Grundlast, Mittellast und Spitzenlast sind lediglich Definitionen der Energiewirtschaft, um bestimmte Kraftwerksarten einzuordnen. Während die Grundlastfähigkeit oft als Vorteil verkauft wird, wird sie immer weniger benötigt. Im Gegenteil: klares Ziel der Energiewende ist es, Grundlastkraftwerke wie Kernkraft und Kohlekraftwerke möglichst bald abzuschalten.

Technisch spielt es gar keine Rolle, ob in einem Stromnetz einzelne Quellen grundlastfähig sind oder nicht. Einzig entscheidend ist, ob der Verbrauch im Stromnetz zu jeder Zeit zuverlässig gedeckt werden kann. Das kann zum Beispiel dadurch erreicht werden, dass die Windkraft und der Solarstrom unterstützt werden von Wasserkraft, Biomasse, gasbetriebenen Blockheizkraftwerken und sauberen, schnell regelbaren Gaskraftwerken. Sie können einspringen, wenn Windkraft und Solarstrom kein Rohstoff zur Verfügung steht, aber auch genauso schnell wieder stoppen wenn Windkraft oder Solarstrom wieder liefern. Genauso wird auch in Zukunft während der gefürchteten Dunkelflaute Strom zur Verfügung stehen, ohne dass die Lichter aus gehen.

Dass eine Energieversorgung, die ausschließlich auf erneuerbaren Energien basiert, auf die oben beschriebene Weise dennoch zu jedem Zeitpunkt eine stabile Stromversorgung gewährleisten kann, hat das Forschungsprojekt "Kombikraftwerk 2" nachgewiesen. Details dazu kann man im Abschlussbericht des Projektes nachlesen.

Tags: Dunkelflaute, Gesicherte Leistung, Grundlastfähigkeit
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